Implantation von Herzschrittmacher

Wie arbeitet ein gesundes Herz?

 

Reizbildungs- und Reizleitungssystem des Herzens regulieren Folge und Regelmäßigkeit der Herzschläge. Die Anzahl der Herzschläge beträgt ohne körperliche Tätigkeit 50-90 in der Minute. Bei körperlicher Belastung oder Aufregung kann das Herz erheblich schneller schlagen. Dadurch wird eine ausreichende Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Körpers gewährleistet.

Wann muss ein Schrittmacher eingepflanzt werden?


Wenn die Reizbildung oder die Reizleitung im Herzen gestört ist, schlägt das Herz oft unregelmäßig, zu langsam oder unkoordiniert; es pumpt dann nicht mehr genügend Blut in den Körper und in die lebenswichtigen Organe (z. B. Gehirn). Schwächegefühl oder Leistungsminderung sind häufig die Folgen. Bei plötzlichem Auftreten der Erkrankung kann es, insbesondere bei körperlicher Belastung, zu Schwindelanfällen oder sogar zur Bewusstlosigkeit kommen.

 

Medikamente helfen meist nur kurzfristig. Schrittmacher können dagegen langfristig die Reizbildung und Schlagfolge des Herzens korrigieren. Sogenannte Zweikammerschrittmacher sind in der Lage, den regulär entstehenden Reiz von der Vorkammer auf die Hauptkammer zu übertragen oder beide im natürlichen Rhythmus anzuregen.

 

Indikation für die Einpflanzung eines Dreikammerschrittmachers kann eine Störung der Erregungsausbreitung im Herzen (insbesondere Linksschenkelblock) sein. Diese führt dazu, dass die beiden Herzhälften zeitlich nicht koordiniert (synchron) arbeiten können, die Pumpfunktion bzw. der Wirkungsgrad des Herzens nachlässt und eine schwere Herzschwäche (Insuffizienz) entstehen kann.

Schrittmacher

moderner Zweikammerschrittmacher

Biotronik, mit Erlaubnis)

Wie arbeitet ein Herzschrittmacher und welche Arten gibt es?


Ein Schrittmacher besteht aus Impulsgeber (batteriebetriebenes Gerät) und einer oder bis zu drei Sonden (Elektrode), die den Impulsgeber mit der rechten Vorkammer und/oder Hauptkammer bzw. mit beiden Hauptkammern verbindet.

 

Die Sonde leitet elektrische Signale zum Herzen und herzeigene Signale zum Impulsgeber zurück. Dadurch erfolgt eine automatische Steuerung der Leistung. Manche Systeme erfassen zusätzlich Messwerte außerhalb des Herzens, z.B. Wechsel der Temperatur oder Aktivität des Körpers, um eine möglichst natürliche Schlagfolge des Herzens zu erzielen.

Zweikammerschrittmacher

Zweikammerschrittmacher

Biotronik, mit Erlaubnis)

Wie wird operiert?

 

Der Eingriff wird meist in örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Arzt informiert Sie über die Art des Schrittmachers, der in Ihrem Fall erforderlich ist. Abhängig davon erfolgt die Operation wie folgt:

Bei einem Einkammersystem wird eine Halsvene oder die Vene unterhalb des Schlüsselbeins durch einen kleinen Hautschnitt freigelegt oder durch eine Hohlnadel punktiert. Auf diesem Weg führt der Arzt die Elektrode ein, schiebt sie unter Röntgenkontrolle bis in die rechte Herzkammer vor und schließt sie dann an den Impulsgeber an.

 

Bei einem Zweikammerschrittmacher ist das Vorgehen entsprechend, jedoch wird zusätzlich eine zweite Elektrode in die rechte Vorkammer eingeführt.

 

Bei einem Dreikammer- (sog. biventrikulären) Schrittmacher wird nicht nur je eine Sonde in der rechten Vor- und Hauptkammer platziert, sondern zusätzlich eine Sonde im Coronarsinus, der großen Vene, die um das linke Herz herumläuft. Durch diese kann die linke Herzhälfte direkt stimuliert werden.

Schrittmacherabfrage

Schrittmacherabfrage
Biotronik, mit Erlaubnis)

Leben mit dem Herzschrittmacher


Nach mehr als drei Monaten sind Störungen der Schrittmachertätigkeit nur noch selten zu erwarten. Im Laufe von Jahren erschöpft sich aber die Batterie; daher sind regelmäßige Kontrollen (ca. 6-monatlich) und in größeren Abständen Batteriewechsel (nach ca. 4-6 Jahren) erforderlich.

Schrittmacherabfrage

 

Insgesamt werden Sie mit dem Schrittmacher sicher und leistungsfähig leben. Ein evtl. anfänglich auftretendes Fremdkörpergefühl bessert sich nach ein paar Wochen. Mit Einschränkungen im Alltag ist nicht zu rechnen; Sie dürfen alle gängigen elektronischen Geräte inklusive Computer, Mobiltelefon und Mikrowelle benutzen. Elektronische Diebstahlalarmsysteme und Metalldetektoren z.B. am Flughafen stören die Funktion des Schrittmachers nicht. Es ist aber ratsam, sich von extrem starken elektromagnetischen Feldern (z.B. direkte Nähe größerer Radiosender oder medizinische Kernspintomographie-Untersuchungen - MRT) fern zu halten.