Operationen an der Hauptschlagader
Krankheitsbild Aortenaneurysma
Durch Veränderungen der Gefäßwand (Arteriosklerose, angeborene Schwäche des Bindegewebes oder Verletzung durch einen Unfall usw.) kann es zu einer Ausweitung der Brustschlagader (Aorta), zum sogenannten thorakalen Aortenaneurysma kommen.
Aus mehreren Gründen ist das thorakale Aortenaneurysma sehr gefährlich:
Die Wand des Aneurysmas ist oft dünn und kann plötzlich einreißen und platzen, das Verbluten ist die Folge. Blutgerinnsel können aus der Ausweitung ausgeschwemmt werden und andere Schlagadern
verschließen. Die operative Beseitigung des Aortenaneurysmas kann diese Gefahren vermeiden.
Krankheitsbild Aortendissektion
Bei diesem Krankheitsbild kommt es plötzlich zu einem Einriß der inneren Schicht der Aorta (Hauptschlagader), so dass das Blut ungehindert zwischen die Wandschichten fließen kann. Dies führt zum Aufsplittern der aus 3 Schichten bestehenden Aortenwand mit Ausbilden eines sog. wahren und falschen Lumens. Durch das Aufsplittern der Wandschichten können einige Gefäßabgänge verlegt oder abgerissen werden, was zu Durchblutungsstörungen abhängiger Organe führt.
Die Wand des falschen Lumens besteht nur aus einer dünnen Außenhaut (Adventitia). Dadurch kann es bereits direkt nach der Dissektion zum Blutübertritt in die umgebenden Strukturen kommen (Gewebe, Hohlräume, sog. gedeckte Ruptur). Wenn das Blut in größeren Mengen austritt, führt es aufgrund des Blutverlustes oder einer Herzkompression (Herzbeuteltamponade) zum Kreislaufzusammenbruch.
Bei der kompletten Ruptur der Aortenwand kommt es zur massiven, meist tödlichen Blutung oder, wenn sie ins Perikard (Herzbeutel) erfolgt, zu einer tödlichen Perikardtamponade. Die Sterblichkeit der unbehandelten Patienten beträgt ca. 60% innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Schmerzereignis und 75% nach 7 Tagen.
Die Häufigkeit beträgt nach epidemiologischen Studien 5-10 pro 1.000.000 Einwohner pro Jahr. Nur bei ca. 3‰ aller Notaufnahmen mit akutem Brustschmerz handelt es sich um eine Aortendissektion.
Typisch für den Dissektionsbeginn ist ein akuter, extrem starker, vernichtender Schmerz, der am häufigsten im vorderen Brustkorb, dann zwischen den Schulternblättern, im Rücken oder im Abdomen lokalisiert ist. Der Schmerz wird als reißend oder stechend empfunden mit seiner maximalen Intensität beim Auftreten. Häufig berichten die Patienten von einem „plötzlichen Knall und haben ein Gefühl des nahenden Todes.
Das klinische Bild und die zu erhebenden Befunde hängen von der Ausdehnung der Dissektion nach peripher und der möglichen Beeinträchtigung der Organdurchblutung sowie den akut aufgetretenen Blutverlusten ab.
Die Dissektion der aufsteigenden Aorta und des Aortenbogens stellen einen lebensbedrohlichen Notfall dar, der sofort nach der Diagnosestellung operiert werden muß. Die Operation einer akuten Aortendissektion ist bis heute mit einer Letalität von bis zu 20% verbunden. Sie ist aber die einzige therapeutische Möglichkeit.
Wie wird operiert?
Ziel der Operation ist es, die Ausweitung der Brustschlagader durch eine Kunststoffprothese zu überbrücken. Ob bei Ihnen eine Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz kommt - eventuell mit Herunterkühlen (Hypothermie) und Kreislaufstillstand - wird im Einzelfall entschieden. Als Zugang wird der Brustkorb durch einen Schnitt auf der linken Seite (bei Erkrankung der absteigenden Aorta) oder vorne in der Mitte mit Durchtrennen des Brustbeins der Länge nach (bei Erkrankung der aufsteigenden Aorta oder des Aortenbogens) eröffnet.
Eine besondere Problematik stellen diese Erkrankungen mit der Beteiligung des Aortenbogens wegen der hier abgehenden Hirnarterien dar. Der sog. „Aortenbogenersatz wird zum Schutz des Gehirns mit tiefer Unterkühlung und selektiver Durchblutung des Gehirns durch in die Hirnarterien eingeführte Katheter durchgeführt. Dies erhöht die Sicherheit des Patienten deutlich und reduziert die notwendige Kreislaufunterbrechung auf das Notwendigste.
Behandlung ohne Brustkorberöffnung
In einigen Fällen, wenn die Erkrankung die absteigende Aorta betrifft, wird das Aneurysma durch das Setzen einer sog. Stentprothese asugeschaltet. Dies ist eine neue, schonende Behandlungsmethode, bei der eine spezielle, gerüstete Prothese ohne Brustkorberöffnung durch eine Leistenarterie vorgeschoben und in dem betroffenen Aortenabschnitt entfaltet wird. Dies wird in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen der Radiologie durchgeführt.